1981 kaufte sich mein Vater einen saharagelben 230 E (E wie Einspritzer) mit 136 PS, Servolenkung, Hasenohren-Kopfstützen hinten und einem halben Jahr Lieferzeit. So begehrt war der. Zur Überbrückung der langen Warte- und Leidenszeit musste der alte rote durchgerostete Volvo (den man siebenfach übereinander stapeln konnte, wie die Werbung zeigte) noch eine Extratour drehen. Zusammen mit dem wunderbaren, überaus exotischen, aber leider schier unverkäuflichen Renault 30. Den musste mein Vater dann, als der Benz endlich da war, an einen Kollegen zum Schnäppchenpreis von 5990 D-Mark verkaufen. Mit der Sahara-Kutsche fuhren wir dann, im Sommer 1981, nach Südtirol. Schön mit 90 km/h, weil man damals die Autos angeblich noch "einfahren" musste. Bis nach Augsburg, unserem Übernachtungs-Zwischenstopp, brauchten wir schon 8 Stunden und 52 Minuten, wie mein kombinierter BP-Tankstellen-Bundesligatimer ausweist. BP war ja der Sponsor vom HSV, holte dann auch den Kaiser Beckenbauer zurück aus Cosmos New York.
Was zeigt unsere Abbildung? Einen schönen 280 E, aus dem MB-Prospekt "280/280E", vermutlich aus den späten Siebzigern. Ein Schatz, beim Kellerausmisten geborgen. Ist das der letzte "richtige" Mercedes, mit Chrom und richtigem Stern und Kofferraum? Früher hätte ich das zum Strich-Achter gesagt. Heute lasse ich es gerne für den 123er gelten. Ich fand ihn damals unglaublich bieder, heute ist er natürlich total Chef. Aber hallo!
2 Kommentare:
Schön, so eine Reise in die Vergangenheit, mensch wie die Zeit vergeht.
Meine frühesten Erinnerungen an einen W 123 reichen zurück ins Jahr 1978. Nach 2 /8, jeweils in der Motorisierung 200 D, folgte ein kaledoniengrüner W 123 als, natürlich, 200 D, den Ruf ins Haus meiner Eltern. Seine erste Bewährungsprobe hatte er 2 Wochen nach der Ankunft zu bestehen ( Lieferzeit damals über 1 Jahr !!)
Die Urlaubsfahrt nach Österreich an den Wörhersee. Vollgepackt mit Urlaubsgepäck einer 5-köpfigen Familie, was ein Gewicht von insgesamt 1,7 Tonnen bedeutete, machte er sich auf die Reise. Mein Vater hielt nicht viel von Einfahrregeln, die damals obligatorisch waren, so treibte er den D 200 Richtung Süden. Dann die Alpen, heutzutage kein Problem, vor 30 Jahren für einen Vorkammerdiesel mit sagenhaften, Achtung festhalten : 55-Sauger-PS, 1,7 Tonnen, ein kaum zu überwältigendes Hindernis. Mit viel Anlauf und Schwung vielleicht machbar, dachte ich mit meinen 9 Jahren, und so ganz unrecht hatte ich nicht, stellten doch die ersten Steigungen ein Problem dar. Er ächzte und schnaufte. Er mühte sich und spuckte vor Wut schwarzen Qualm aus. Dies sah ich wie durch Nebel, für den die 4 HB pro Stunde meines Vaters sorgten. Das Wort Passivrauchen war noch nicht erfunden. Ich machte mir zwischendurch Gedanken ob nicht eine Reise an die Nordsee sinnvoller gewesen wäre. Sinnvoller weil flacher, die Landschaft, und ein meist starker Wind blies, mit Glück als Rückenwind. Stattdessen die Alpen und ich konnte verstehen wie sich Hannibals Elefanten gefühlt haben....... Meine Sorgen wuchs synchron mit den langsam steigenden Höhenmetern und den Prozentangaben auf den Verkehrsschildern. Ob wir jemals oben ankommen würden ? Wir taten es dann irgendwann, nicht jedoch ohne vorher eine Demütigung in Form eines Renault R4 zu erfahren. Irgendwo auf der Tauernautobahn zog er an uns vorbei, auf der linken Spur. Auf der linken Spur ! Ein R4! Und er war schneller ! Deutlich ! Mein Vater murmelte irgendetwas von Mord, trat das Gaspedal durch und versuchte Anschluss zu halten...vergeblich. Glücklicherweise ging es auch wieder bergab, und der Urlaub konnte beginnen, im neuen Mercedes, dachte ich. Dummerweise muss etwas passiert sein, vorne im Motorraum, ich weiss nicht was. Nur fragte der freundliche Mechaniker in Velden nach der Einhaltung von Einfahrregeln und Höchstdrehzahlen, worauf mein Vater wieder anfing zu murmeln, etwas freundlicher als einen Tag zuvor, und nicht so derb, irgendetwas von " nie wieder einen Diesel".... Der Austausch des Motors dauerte jedenfalls 4 Tage, und , ohh, was war ich stolz, als wir den Benz wiederhatten. Niemals danach in den 2 Jahren seiner Zugehörigkeit unserer Familie hat er uns im Stich gelassen, wie überhaupt niemals ein Benz davor oder danach. Ich glaube die Alpen kamen zu früh, er war ja noch klein und die Last so gross !
Jedenfalls behielt mein Vater Wort : Einen Diesel gabs nie wieder und schon im April 1980 stand der nächste W123 vor der Tür : Ein 230 E Coupé mit, Achtung wieder festhalten : 136 PS ! Was für eine Rakete, jedenfalls kurzzeitig, denn es ging im Juli Richtung Alpen. Aber davon an anderer Stelle mehr.
Markus
Ja, diese 200er Bauerndiesel waren echt eine Frechheit! Neben dem Wort "Einfahren" hatte auch "Untermotorisierung" noch einen ganz anderen, bedrohlicheren und wahrhaftigeren Klang als heute, wo jeder Kleinwagen 180 fährt.
Mehr davon, Markus, vielen Dank!
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